Über das Archiv

Das Archiv des IKDE

Das Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa (IKDE) besitzt Archivbestände zur historischen und gegenwärtigen Alltagskultur der Deutschen in und aus dem östlichen Europa. Das Archiv umfasst neben institutseigenen Sammlungen auch zahlreiche Bestände Dritter wie etwa Nachlässe.
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Der räumliche und thematische Zuschnitt der Sammlungstätigkeit des IKDE wächst gemäß dem Auftrag des Instituts, der durch § 96 BVFG definiert wird. Demnach haben Bund und Länder das Kulturgut der „Vertreibungsgebiete“ mittels Archiven, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten. Ferner sind sie verpflichtet, die wissenschaftliche Erforschung der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der nachfolgenden kulturellen Entwicklungen zu fördern. Geografisch betrachtet, fallen darunter alle Regionen Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas, in denen vor 1945 Deutsche gelebt haben oder heute noch leben.

Bestandsaufbau im Zeichen der „Vertriebenenvolkskunde“

Das IKDE entwickelte sich aus den zunächst privaten, 1964 vom Land Baden-Württemberg übernommenen Sammlungen Johannes Künzigs zu Kultur und Lebensweise der Deutschen im und aus dem östlichen Europa. Unter anderem das Archiv der Einsendungen ist Ergebnis dieser Sammlungstätigkeit.

Aufbau des Instituts und Aufbau von Archivbeständen gingen gewissermaßen Hand in Hand (Institutsgeschichte). Dem volkskundlichen Kanon seiner Zeit entsprechend sammelte Künzig schwerpunktmäßig Überlieferungen aus der „alten Heimat“. Die umfangreichen Sammlungsbestände Künzigs und seiner Mitarbeitenden bildeten sozusagen das Fundament des Institutsarchivs. Von Anfang an wurde das Archiv multimedial gestaltet, d. h. es wurden Ton-, Bild- und Schriftmaterialien gesammelt.

Regal mit Tonbandaufnahmen.
Tonarchiv

Die Erkenntnisinteressen des Instituts haben sich im Laufe der Zeit konsequent von der „Vertriebenenvolkskunde“ zu modernen Fragestellungen im Kontext des von § 96 BVFG definierten Auftrags hin weiterentwickelt. Die vom Institutsgründer und von Fachkollegen derselben Generation generierten Bestände dienen heute vor allem als „Quellen zur Analyse von Wissenskonstruktionen“ (Konrad Kuhn). Neue Fragestellungen zielen auf die Praxis früheren Sammelns, das Verhältnis von Forschenden und Beforschten, die Deutungsmacht über das Gesammelte. Darüber hinaus besitzen die Quellen auch einen je spezifischen historischen Quellenwert im Hinblick auf die unterschiedlichsten Fragestellungen kulturwissenschaftlicher und angrenzender Disziplinen.

Archivpraxis heute

Bis etwa Mitte der 1990er-Jahre spielten Aufbau und Erschließung eigener Sammlungsbestände die zentrale Rolle in der Archivarbeit des Instituts. Entsprechend dienten auch die prominenten Publikationen des Hauses der Dokumentation seiner Sammlungen. Zwar waren bereits in dieser Zeit umfangreiche Bestände wie der  Nachlass Alfred Karasek oder der Nachlass Bruno Schier übernommen worden, doch erst ab Mitte der 1990er-Jahre verschob sich der Schwerpunkt des Sammlungsprofils auf Nachlässe sowie Unterlagen Dritter. Zudem gehen von den Mitarbeitenden des IKDE generierte oder gesammelte Unterlagen weiterhin in die Archivbestände des Instituts ein.

Das Selbstverständnis des IKDE als forschende Institution impliziert mit Blick auf sein Archiv neben der Aufgabe des Bewahrens eine Ausrichtung der Sammlung an der empirisch-kulturwissenschaftlichen (bzw. früher: volkskundlichen) Forschung. Bei der Entscheidung über die Aufnahme neuer Bestände spielen daher entsprechende Kriterien eine zentrale Rolle. Es werden daher nur Nachlässe oder Sammlungen neu angenommen, in denen sich die Forschungsfragen des Instituts widerspiegeln und/oder die die bereits vorhandenen Bestände sinnvoll ergänzen bzw. erweitern und so eine Relevanz für die Arbeitsfelder des IKDE besitzen. Dazu zählen unter anderem:

  • Dokumente, die über die Geschichte und Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa Aufschluss geben;
  • Dokumente, anhand derer sich historische und gegenwärtige Popular- und Alltagskultur der Deutschen in und aus Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa dokumentieren und analysieren lassen;
  • Dokumente, anhand derer sich im Themenfeld von § 96 BVFG kulturelle Phänomene im Zusammenhang mit der europäischen Integration analysieren lassen.

Aktuelle Weiterentwicklung des Archivs

Im Rahmen eines intensiven Profil- und Strukturbildungsprozesses arbeitet das IKDE seit dem Jahr 2022 an der Weiterentwicklung seines Archivs. In diesem Rahmen wurde unter anderem eine Archivtektonik erarbeitet, die die Struktur und systematische Gliederung des Archivs festlegt.

Bereits seit Ende der 1990er-Jahre wurden bestimmte Bestände des IKDE in digitalen Datenbanken verzeichnet und inhaltlich erschlossen. Diese Datenbanken sind allerdings nicht online abrufbar, sondern nur intern nutzbar. Darüber hinaus wurden (und werden bis heute) Bild- und Tondokumente digitalisiert. Digitalisate von Fotografien wurden in einer Bilddatenbank öffentlich zugänglich gemacht. 

Im Jahr 2025 nahm das IKDE die Arbeit an einer umfangreichen und grundlegenden Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur seines Archivs auf. Mit Einführung einer Archivsoftware werden Erschließung und Verzeichnung professionalisiert und die Möglichkeiten der digitalen Zugänglichmachung von Archivgut vergrößert. Selbiges gilt für die Möglichkeiten der Vernetzung mit Archivportalen und die Nutzung von Schnittstellen. Aufgrund des Umfangs und der Komplexität der in neue Formate zu migrierenden Daten ist allerdings mit einer ca. zweijährigen Übergangsphase zu rechnen, in der u. a. auch das Bildarchiv nicht oder nur in Teilen online zugänglich sein wird. Für Archivanfragen stehen die Mitarbeitenden des IKDE in dieser Zeit aber selbstverständlich zur Verfügung.

Nutzung der Archivbestände

Auf der Seite zur Archivtektonik des IKDE finden Sie nicht nur eine nähere Erläuterung der Gliederung und Struktur des Institutsarchivs, sondern auch einen Gesamtüberblick über die Bestände.

Die Archivbestände des IKDE können, sofern keine rechtlichen Gründe entgegenstehen, genutzt werden. Die Rahmenbedingungen der Nutzung regelt die  Archivordnung des IKDE. Die Mitarbeitenden des Instituts beraten gerne bei der Recherche sowie im Hinblick auf die Nutzung der Archivbestände.

Anbietung und Abgabe von Unterlagen an das IKDE

Das IKDE freut sich über die Anbietung von Nachlässen, thematischen Sammlungen oder sonstigen Unterlagen zu den oben umrissenen Sammlungsschwerpunkten. Nach Prüfung der Dokumente in thematischer, konservatorischer und rechtlicher Hinsicht übernimmt das IKDE das Archivgut in der Regel in Form von Schenkungen sowie auf Grundlage einer entsprechenden Vereinbarung. Die Dokumentation des Überlieferungszusammenhangs und entsprechend der Austausch mit den Schenkerinnen und Schenkern ist uns ein großes Anliegen und selbstverständlicher Teil des Übernahmeprozesses. Sollte das IKDE an einer Übernahme nicht interessiert sein, beraten seine Mitarbeitenden gerne mit Blick auf mögliche andere Archive oder Verwendungszwecke der Materialien.