Auftrag & Leitbild

Kulturanalytische Perspektiven auf die Deutschen des östlichen Europa

Das Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa (IKDE) ist eine dem Innenministerium des Landes Baden-Württemberg nachgeordnete Einrichtung. Es erforscht die historische und gegenwärtige Alltagskultur der Deutschen in und aus dem östlichen Europa.
Lesezeit:
  • Teilen

Mit dem Schwerpunkt auf Alltags- und Populärkultur, kulturvergleichenden Ansätzen und seinen einzigartigen Archivbeständen trägt das IKDE zur Sicherung und zur Erforschung des kulturellen Erbes der Deutschen in und aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa bei. Kern der Forschungsphilosophie des IKDE ist dabei die zeitgemäße, aktuellen kulturwissenschaftlichen Fragestellungen folgende Interpretation von § 96 des Gesetzes über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (BVFG, Bundesvertriebenengesetz).

„Bund und Länder haben […] Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern.“

§ 96 Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge

Das IKDE ist ein Pfeiler der Kulturarbeit, die das Land Baden-Württemberg zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags nach § 96 BVFG leistet. Das Institut ist zugleich auch Teil einer nationalen und internationalen Forschungs- und Archivlandschaft, dabei allerdings die einzige auf Grundlage von § 96 BVFG tätige Einrichtung, die ausschließlich im Fachzusammenhang der Empirischen Kulturwissenschaft (früher Volkskunde) verortet ist.

Dr. Tilman Kasten schaut sich das archivierte Schriftstück an.

Das IKDE – eine Einrichtung mit Geschichte

Die Geschichte des IKDE reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Damit ist das 1964 in den Landeshaushalt übernommene Institut die traditionsreichste auf Grundlage von § 96 BVFG tätige Einrichtung in Baden-Württemberg. In der mehr als 70 Jahre währenden Institutsgeschichte wurden zahlreiche Archivbestände und Sammlungen aufgebaut, die Bestandteil des kulturellen Erbes der Deutschen des östlichen Europas sind.

Familienfoto.
Der Bau eines Hauses.

In seiner Geschichte hat das Institut selbst mehrere Transformationen durchlaufen – von den Anfängen in der sogenannten Volkskunde der Heimatvertriebenen über die Neuorientierung in den 1990er-Jahren infolge der politischen Wende von 1989 bis hin zum heutigen Selbstverständnis. Seine Geschichte und die mit dieser Geschichte verbundenen Wissens- und Archivbestände sind zum einen eine Ressource, von der das IKDE, aber auch Studierende sowie die breite Öffentlichkeit profitieren können. Zum anderen besitzt die Institutsgeschichte, die stark mit dem Gründer Johannes Künzig (1897-1982) verbunden ist, aber auch problematische Aspekte und ist daher Anlass für einen kritischen Umgang mit überlieferten Wissensbeständen. Auch diese reflexive Dimension der Institutsarbeit, die nicht nur die Instituts- und Fachgeschichte im engeren Sinne betrifft, ist als Beitrag zu einer zeitgemäßen Sicherung und Erforschung des kulturellen Erbes der Deutschen aus dem östlichen Europa zu verstehen.

Forschung – Archivierung – Vermittlung

Die drei konzeptionellen Säulen des IKDE – Verflechtungen, Identitäten, Transformationen – spiegeln sich in den deutschlandweit einzigartigen Archivbeständen, die von Ton- und Bildaufnahmen über thematische Sammlungen bis hin zu vor allem wissenschaftsgeschichtlich wichtigen Nachlässen reichen. Die wissenschaftliche Spezialbibliothek des IKDE verfügt neben umfangreicher wissenschaftlicher Literatur über zum Teil unikale Bestände aus der Zwischenkriegszeit sowie aus dem Bereich der Heimatvertriebenen-Publizistik. Das IKDE erweitert und erschließt seine Archiv- und Bibliotheksbestände kontinuierlich und stellt sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie interessierten Laien zur Verfügung. Über Ausstellungen, digitale Präsentationen und regelmäßig wiederkehrende Formate wie den Quartalston und das Quartalsbild vermittelt das Institut seine Forschungsergebnisse und Bestände zielgruppenorientiert an die Öffentlichkeit.

Internationale Vernetzung – Kooperation – Nachwuchsförderung

Das IKDE denkt seinen gesetzlichen Auftrag in Vernetzungen und Kooperationen. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pflegen enge Kontakte zu Archiven, Museen und Universitäten im deutschsprachigen Raum, vor allem aber in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IKDE sind in der universitären Lehre engagiert und führen so Studierende an die Themen des Instituts heran. Mit einem eigenen Stipendienprogramm unterstützt das IKDE junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem östlichen Europa und fördert so zugleich die Vernetzung mit Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Frau untersucht eine alte Karte.
Frau prüft Negative zur Digitalisierung.