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Deutsche in und aus dem östlichen Europa. Kulturanalytische Perspektiven

Die Erkenntnisinteressen und Arbeitspraxis des Instituts haben sich nach der politischen Wende konsequent zu modernen Fragestellungen hin entwickelt. Fragen der Vernetzung ins östliche Europa haben zunehmend an Relevanz gewonnen. Die drei Leitbegriffe „Verflechtungen, Identitäten, Transformationen“ bilden die Klammer für die aktuellen Erkenntnisinteressen des IKDE.
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Verflechtungen, Identitäten, Transformationen

Das Institut nimmt die Geschichte und Kultur der Deutschen in und aus dem östlichen Europa in den Blick und betrachtet diese im Kontext vielfältiger kultureller Verflechtungen. Es untersucht historische Integrationsprozesse, wie etwa die Geschichte des Ankommens nach Flucht und Vertreibung in einer neuen ‚Heimat‘ oder die Lebens- und Migrationsgeschichten von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern. Dabei spielen auch Phänomene des inter- und transkulturellen Austauschs eine Rolle. Die Frage nach der Bedeutung ethnischer Zuordnungen in vielfältigen Gesellschaften ist zum Beispiel historisch relevant wie auch mit Blick auf deutsche Minderheiten in Staaten des östlichen Europa heute.

Mit dem Fokus auf Verflechtungsgeschichte(-n) verbindet das Institut Forschungsfragen nach den komplexen Herausbildungen von Identitäten – etwa im Kontext von Flucht und Vertreibung oder in gegenwartsorientierter Perspektivierung vor dem Hintergrund nationalstaatlicher oder europäischer Minderheitenpolitik. Wie Identitäten biografisch herausgebildet, in soziale Zusammenhänge eingebracht und für größere Kollektive (wie gesellschaftliche Gruppen oder gar Nationen) in Anspruch genommen werden, ist eine der leitenden Fragestellungen. Dabei spielt eine ganze Bandbreite von möglichen Identitäten eine Rolle: kulturelle, regionale, ethnische, nationale, biografische, soziale, um nur eine Auswahl zu nennen.

Gesellschaft und Kultur sind niemals statisch, sondern unterliegen beständigen Dynamiken. Dementsprechend begreift das Institut auch Verflechtungen und Identitäten prozesshaft, das heißt als durch eine Vielzahl von Praktiken immer wieder aufs Neue hervorgebrachte Phänomene. Die in diesem Zusammenhang zu beobachtenden Transformationen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen des sozialen und politischen Lebens manifestieren können, bilden schließlich den dritten Teilaspekt des Forschungs- und Sammlungsinteresses. Dies betrifft etwa solch tiefgreifende Transformationsprozesse, wie sie infolge von Ein- und Auswanderung zu beobachten sind, aber auch die Entwicklung des städtischen oder ländlichen Raums in den historischen Siedlungsgebieten der Deutschen im östlichen Europa.