Forschungsprojekt

Museum und Erinnerung

Museen von Heimatvertriebenen lassen sich nicht nur als Museen einer Region beschreiben, sondern sie sind immer auch Museen der Erinnerung an diese Region. Heimat und Erinnerung stellen häufig die Leitkategorien dieser semi-professionellen Sammlungen dar. Viele der hier ausgestellten Objekte besitzen unabhängig von ihrem jeweiligen materiellen Wert einen hohen ideellen Wert.
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Projektdetails

Projektleitung: Elisabeth Fendl
Projektlaufzeit: 2006–2023
Kooperationen/Partner: AG Heimatsammlungen des Innenministeriums Baden-Württemberg, BKGE Oldenburg

In dem Projekt wurden Sammlungen deutscher Heimatvertriebener als narratives Medium untersucht, das anhand von Objekten eine Geschichte erzählt. Es wurde deutlich gemacht, dass der Weg der Heimatandenken ins Museum zu einem Prozess der zweifachen Schaffung von Interpretationen führt. Von den Vorbesitzern mit Bedeutung aufgeladene Objekte ändern diese Bedeutung, sobald sie einen Platz in der Vitrine finden. Diese doppelte Aufladung des Ausgestellten wurde ebenso untersucht wie der Weg der Objekte vom Relikt zur säkularen Reliquie. 

Da die Sammlungen über einen langen Zeitraum „beobachtet“ wurden, konnten Veränderungen auch in der Art der Rezeption deutlich gemacht werden. Und schließlich wurde auch das allmähliche Ende dieser für die deutsche Nachkriegsgeschichte wichtigen Einrichtungen und ihr Weiterleben unter anderem in den Herkunftsregionen der Gründergeneration thematisiert. 

Blick in das Schönhengster Museum in Göppingen. Modelle, Fotografien und „Trachtenpuppen“ stellen die Hauptattraktionen vieler Heimatsammlungen dar.
Blick in das Schönhengster Museum in Göppingen. Modelle, Fotografien und „Trachtenpuppen“ stellen die Hauptattraktionen vieler Heimatsammlungen dar.
Der Umgang mit von „daheim“ mitgebrachter Erde, trägt fast religiöse Züge. Inszenierung von Heimaterde, Marienbader Heimatstube, Neualbenreuth.
Der Umgang mit von „daheim“ mitgebrachter Erde, trägt fast religiöse Züge. Inszenierung von Heimaterde, Marienbader Heimatstube, Neualbenreuth.
Zahnrad-Segment vom Glockenstuhl der Kirchenruine Maiersgrün.
Noch das kleinste bei Flucht oder Vertreibung gerettete und mitgebrachte Stück Heimat erhält in Heimatstuben einen „Ehrenplatz“. Weil Depots fehlen, wird meist die komplette Sammlung ausgestellt. Marienbader Heimatstube, Neualbenreuth.
Archivalien und anderen anspruchsvollen Objekte.
Der Umgang mit Archivalien und anderen anspruchsvollen Objekten ist häufig nicht optimal. Fehlendes fachlich geschultes Personal und geringe Etats lassen eine konservatorisch einwandfreie Präsentation nicht zu.