Die Umbenennung in Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa (IKDE) trägt den inzwischen vielfach umgesetzten terminologischen Verschiebungen Rechnung, die das Fach Volkskunde an deutschsprachigen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Archiven und Museen in den letzten Jahren vollzogen hat. Einen Schlusspunkt haben die Diskussionen um die Fachbezeichnung dadurch gefunden, dass sich der akademische Fachverband, dem auch das IKDE zugeordnet ist, im Jahr 2023 in Deutsche Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft (vormals Deutsche Gesellschaft für Volkskunde) umbenannt hat.
Die Notwendigkeit einer Umbenennung hat verschiedene, in erster Linie aber theoretisch-konzeptionelle Gründe. Inhaltlich hat das IKDE die verschiedenen Modernisierungsetappen bereits seit langer Zeit erfolgreich in seine Arbeit implementiert. Es befasst sich heute mit Identitäts- und Ethnizitätskonstruktionen der Heimatvertriebenen nach 1945, mit Verflechtungen, interethnischen Beziehungen und mit den Transformationen der deutschen Minderheit in den Ländern Ost-, Südost- und Mitteleuropas und darüber hinaus. Der Volksbegriff wird diesen komplexen Transformationsprozessen nicht gerecht. Er ist vielmehr inzwischen problematisch, vor allem auch, was die Anbindung an die Forschung in den Ländern des östlichen Europa anbelangt. Auch dort hat sich das Fach an vielen Standorten hin zu einer vergleichenden, empirisch arbeitenden Kulturwissenschaft gewandelt.