Das hier gezeigte Bild ist ein Ausschnitt aus dem Zeitzeugenbericht des K. H., in dem dieser das Ende des Zweiten Weltkrieges in seinem Heimatort Hillersdorf (Holčovice) in Österreichisch-Schlesien beschreibt. Laut seiner Schilderung versuchten zu dieser Zeit viele Menschen in seiner Heimatregion, sich vor der russischen Armee in Sicherheit zu bringen, und erhofften sich Schutz in der amerikanischen oder englischen Zone. Beim Einmarsch russischer Truppen einen Tag vor dem offiziellen Kriegsende versteckten sich die Bewohner des Ortes in ihrer Verzweiflung. Als am 8. Mai schließlich das offizielle Kriegsende erklärt wurde, atmete die Bevölkerung erst einmal auf.
Der Zeitzeuge K. H. schildert in seinem Bericht auch, wie es nach Kriegsende weiterging – die Besetzung durch tschechische Truppen, die Internierung in Arbeitslagern, damit einhergehende Misshandlungen, Enteignung und schließlich die Aussiedlung.
Der Zeitzeugenbericht, aus dem der oben gezeigte Ausschnitt stammt, ist Teil des Bestandes „Erlebnisberichte Sudetenland“, der im Archiv der Einsendungen des IKDE Freiburg aufbewahrt wird. Dabei handelt es sich um biographische Zeugnisse von aus Böhmen und Mähren vertriebenen Deutschen. Die Berichte waren überwiegend in den Jahren 1946 bis 1948 entstanden und geben Auskunft über die Zeit kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, über Ausweisung, Umsiedlung, Flucht und Vertreibung. Bei einigen finden sich Hinweise auf die „Teil-Dokumentation“ bzw. die „Gesamtdokumentation über die Ausweisung der Deutschen aus der Tschechoslowakei“ (initiiert vom Präsidenten des Landesbezirkes Baden - Abt. Kommissar für Flüchtlingswesen). Die vom Staatskommissariat für Flüchtlingswesen in Karlsruhe gesammelten Berichte wurden zum Teil vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte in der „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa“ (Bonn 1954–1957, 5 Bde.) veröffentlicht.
Es liegt nahe, dass auch der Bericht des 17-jährigen K. H. Teil dieses Dokumentationsprojektes war, da der Verfasser einen Zeugen für seine Aussagen benannt hat, wie es im Aufruf des Präsidenten des Landesbezirks Baden gefordert war.
Der Krieg ging seinem Ende entgegen, ungeheure Kolonnen von Flüchtlingen u. Soldaten wälzten sich durch meine schöne friedliche Gebirgsheimat des Sudetenlandes, jeder wollte so schnell wie möglich zum Amerikaner od. Engländer gelangen. Angst u. Grauen war in die Gesichter der Flüchtlinge geprägt, die nur um ihr Leben zu retten, vom Russen geflüchtet waren. Dann kam der 7. Mai 1945. In den Morgenstunden waren die russischen Truppen im Dorf eingerückt, ängstlich verkrochen sich die Bewohner im Keller u. verborgene Orte. Ein Aufatmen ging durch die Menschen, als es am 8. Mai hieß „Der Krieg ist beendet.“